LEITBILD FÜR ARCHE-GEMEINDEN
 

LEITBILD FÜR ARCHE-GEMEINDEN

Warum es dieses Leitbild braucht

Gemeinden und Pfarreien sind nicht nur ein Baustein der Strategie von Arche Noah for Future – sie sind
ihr tragender Pfeiler. Sie sollen zu den eigentlichen Agentinnen der gesellschaftlichen Transformation
werden. Damit das gelingt, reicht es nicht, Gemeinden zum Handeln aufzufordern. Sie brauchen eine
Orientierung, an der sie ihr Handeln ausrichten können – ein Leitbild, das von oben (mit Unterstützung
der Kirchenleitungen und in Zusammenarbeit mit Arche Noah for Future) in die Gemeinden
hineingetragen wird.

Eine Gemeinde, die zur Arche wird, braucht nicht nur guten Willen, sondern eine klare Vorstellung
davon, was sie werden soll.

Anders leben lernen, damit alle leben können

Was eine resiliente Gemeinde ausmacht

Die zu erwartenden Kollaps-Folgen lassen sich nur bedingt vorhersagen. Genau deshalb braucht es ein hohes Maß an Resilienz: Ein System ist resilient, wenn es auch unter außeren Störungen die Fähigkeit behält, seine Funktionen und Leistungen aufrechtzuerhalten. Das gilt umso mehr, wenn diese Funktionen existenzielle Bedürfnisse erfüllen sollen – Nahrung, Wohnen, Gemeinschaft, Sinn. Damit eine Gemeinde diese Rolle ausfüllen kann, muss sie sich Fähigkeiten aneignen, die sie anschließend in die Gesellschaft hineintragen kann – als gelebte Blueprints:

Lernfähigkeit – neues Wissen und neue Praktiken aufnehmen, statt an Gewohntem festzuhalten

Anpassungsfähigkeit – auf veränderte Umstände reagieren, ohne die eigene Substanz zu verlieren

Gestaltungsfähigkeit / Transformationsfähigkeit – nicht nur reagieren, sondern aktiv neue Formen des Zusammenlebens entwickeln
 

Was sagen die Kirchen zu den Vorschlägen?

Der Vision von Arche Noah for Future , so wie am Anfang dieser Seite beschrieben, werden hier nun Texte an die Seite gestellt, die im Impulspapier (s. Dokumentenverzeichnis), erarbeitet im Ökumenischen Prozess „Umkehr zum Leben – den Wandel gestalten“ von zwölf kirchlichen und kirchennahen Organisationen und das den Titel trägt "Auf dem Weg zu einer Kultur der Nachhaltigkeit", enthalten sind und die Vision in anderen Worten treffend beschreiben und unterstreichen und damit dokumentieren, dass der Ansatz von Arche Noah for Future zumindest proklamatorisch schon vor Jahren von kirchlichen Organisationen geteilt wurde. 

Nun kommt es darauf an, ihn endlich und dringend in die Tat umzusetzen.

Dort heißt es zunächst auf den Seiten 31/32:

Zwar gibt es längst in Teilbereichen der Gesellschaft Elemente eines solchen Wandels – von alternativen Lebensstilen über eine ökofaire und soziale Beschaffung bis hin zur Förderung erneuerbarer Energien, vom Repair-Café bis hin zu Postwachstumsbewegungen – doch alle diese Elemente sind weder so häufig noch so verdichtet, dass sie schon jetzt zu einer Epochenschwelle beitragen.

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Insgesamt sind also persönliche und gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Wege hin zu einer raschen Verwirklichung einer umfassenden Kultur der Nachhaltigkeit zu suchen und zu erproben. Dabei wird diese Suche nur gelingen, wenn sie wissenschaftliche Theorie und Analyse mit transformativer Praxis untrennbar verknüpft. Neues muss gedacht und erprobt werden, und für Experimente müssen Räume zur Erprobung einer neuen Wirklichkeit und damit Reallabore geschaffen werden. Hierbei sind der Mut, Fehler zu machen, und die Bereitschaft, aus diesen Fehlern zu lernen, Voraussetzungen für das Auffinden neuer Wege.

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Angesichts der hohen Komplexität globaler Herausforderungen wird die alte Einsicht überdeutlich, dass es nicht Tatsachen sind, die Einstellungen und Verhalten von Menschen bestimmen, sondern Wahrnehmungen und Deutungen dieser Tatsachen, ja, dass mitunter Tatsachen erst durch Erzählungen geschaffen werden.

Orientierung suchen Menschen mithilfe von Bildern und Erzählungen. 

Im selben Papier heißt es weiter auf den Seiten 41/42:


In anderen Bereichen sind in den letzten zwei Jahrzehnten Formen des Teilens erprobt worden – vom Leihladen bis zum Repair-Café – an die angeknüpft werden kann. Noch aber muss erst gesucht und erprobt werden, ob und wie solche Initiativen zum systemischen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft beitragen können.

Dies gilt auch für die vielfältigen kirchlichen Nachhaltigkeitsinitiativen wie der Einführung eines kirchlichen Umweltmanagements oder der Umstellung des Beschaffungswesens nach Nachhaltigkeitskriterien. Wie können diese Initiativen fruchtbar gemacht werden für die Alltagspraxis der Gemeindeglieder, wie für die nachhaltige Entwicklung der Ortsgemeinde? Kirchengemeindliche Ansätze der Stärkung einer lokalen Ökonomie können fortgeführt und verallgemeinert werden – von der Unterstützung eines Betriebes der solidarischen Landwirtschaft bis hin zur Mitwirkung an Energiegenossenschaften, von der Förderung von Gemeinwohlunternehmen bis zur Suche nach Elementen einer nachhaltigen Geldwirtschaft wie Kreditgenossenschaften oder Regiogeld.

Eine solche transformative Praxis wird sich auch in die politische Gestaltung der Kommune einmischen, nach zivilgesellschaftlichen Bündnispartnern suchen, vor interreligiösen Experimenten nicht zurückschrecken und Konflikte wagen.

Allerdings bedürfen christliche Gemeinden als Orte des gemeinschaftlichen Lernens und Experimentierens der ständigen Ermutigung, dass Gott einer solchen Umkehr zum Leben seine Gegenwart verheißen hat. Es ist diese Gegenwart, die Gemeinden befähigt, Überforderungen und Entmutigungen wahrzunehmen, zu benennen und nach realistischen Möglichkeiten ihrer Überwindung zu fragen.

Zugleich brauchen Gemeinden für ihren Aufbruch strukturelle Voraussetzungen – von den finanziellen Ressourcen bis hin zur professionellen Begleitung durch Moderatoren und Organisationsberater. Denn die Suche nach transformativer Praxis und die Erprobung neuer Wege werden nur gelingen, wenn Inhalte und Formen von den beteiligten Gemeindegliedern selbst und gemeinsam gefunden werden. Dies setzt neue Formen des partizipativen gemeindlichen Suchens und Handelns voraus, die erst eingeübt werden müssen. Die Schaffung der erforderlichen Rahmenbedingungen ist Aufgabe von Diözesen und Landeskirchen, die auf diese Weise zeigen können, dass es ihnen mit der Suche nach neuen transformativen Wegen hin zu einer Kultur der Nachhaltigkeit ernst ist.

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