Anders leben lernen, damit alle leben können

ZUR POSTWACHSTUMSÖKONOMIE


Dieses Motto unserer Initiative bedarf einer ökonomischen Komponente. Gewachsene alternative Gemeinschaften, die neue Versorgungs- und Daseinsformen einüben, müssen notwendig mit dem umgebenden System und seinen ökonomischen Strukturen und Prozessen wechselwirken. Im Hintergrunddokument und besonders in Forderung 6 unseres Forderungskatalogs werben wir dafür, eine solidarische Binnenökonomie aufzubauen.

Nach welchen Prinzipien sollte sie praktiziert werden? Integraler Bestandteil unserer Gesamtkonzeption ist das Modell der Postwachstumsökonomie (PWÖ) nach Niko Paech.

Die Entfaltung kleiner bis mittelgroßer Übungs- und Lernorte ist engstens gekoppelt an die Entfaltung einer konsistenten und stabilen PWÖ. Hierin besteht der tiefe Zusammenhang zwischen PWÖ und der Herausbildung alternativer Solidargemeinschaften. An dieser Stelle greift die Theorie von Niko Paech, die selbst die Formierung von dezentralen und autonomen Gegenkulturen fordert, die reduktive Praktiken ausformen, die gelebte Blueprints sind für das, was sich übertragen lässt auf den Rest der Menschheit.

Beide Komponenten der Gesamtkonzeption, die PWÖ Niko Peachs und die von Arche Noah for Future greifen also ineinander. Ohne Realisierung beider Komponenten ist die Überlebensfähigkeit nicht zu retten.

Niko Paech liefert die ökonomische Analyse und Konsequenz: Subsistenz, Entrümpelung, regionale Versorgungsstrukturen, Reduktion. Das ist handfest und konkret, aber bei vielen Menschen emotionslos und abstrakt.
 

Die Arche-Metapher hingegen gibt demselben Inhalt eine narrative und spirituelle Tiefe: Warum tue ich das? Nicht wegen einer ökonomischen Theorie, sondern weil ich zu einer Gemeinschaft gehöre, die Verantwortung für das Leben trägt. Das mobilisiert anders.

So gilt: Was künftig unter „Ökonomie“ noch zu verstehen ist, kann nur in einem Überlebensprogramm bestehen, das Menschen dazu  befähigt, so autonom und resilient wie möglich jenseits von Technologie und Industrieversorgung würdig zu leben. 

Auf dieser Seite soll daher eine

 Kurzzusammenfassung der Theorie Niko Paechs 

versucht werden

Zwei Begriffe, Postwachstumsökonomik, Postwachstumsökonomie. Worin besteht der Unterschied?

 

 

Als Lehr- und Forschungsprogramm richtet die Postwachstumsökonomik den Blick auf drei basale Fragestellungen:


1. Welche Begründungszusammenhänge lassen erkennen, dass ein weiteres Wachstum der globalen Wertschöpfung innerhalb der Biosphäre unserer Erde keine Option für das 21. Jahrhundert sein kann?


2. Welches sind die Ursachen dafür, dass für moderne, global vernetzte, industrielle Volkswirtschaften ein Wachstumszwang gesehen wird?

3. Wie lassen sich die Konturen einer Ökonomie jenseits weiteren Wachstums (Postwachstumsökonomie) darstellen?

 

Übersicht der Grundbausteine und Argumentationen

 

  • Gesellschaftliche Debatte um technische Innovation und Grüne Revolution macht unberechtigterweise Hoffnung, dass mit Technik und Grün die gegenwärtigen Probleme gelöst werden könnten, obwohl man sieht, dass in der Vergangenheit und derzeit immer nur versucht wird, durch weiteren Fortschritt zu heilen, was  vorangegangener Fortschritt an Schäden verursacht hat.
     
  • Ist Versuch, Technologien als Rettungsanker zur Lösung der Probleme einzusetzen, um Wachstums- und Wohlstandsmodell immer weiter fortsetzen zu können. Naive Technologieversessenheit, mit der gerettet werden soll, was sich nicht retten lässt, nämlich ein auf Industrialismus und globaler Mobilität beruhender Lebensstil.
     
  • Heute produziert die Welt jährlich 17 Milliarden Megawattstunden mehr an sauberer Energie als im Jahr 2000. In genau dem gleichen Zeitraum hat allerdings das Wirtschaftswachstum den Energiebedarf um 72 Milliarden Megawattstunden nach oben getrieben.
    • à Rebound-Effekte: Effizienzen werden durch größeres Wachstum kompensiert.
    • à Dt. Energiewende wird nicht helfen, ein derart dekadentes, ökologisch ruinöses Lebensmodell zu stabilisieren. Billige Energie geht uns aus.

      • Sie würde nichts dazu beitragen, das Tempo der Versauerung der Ozeane, der Entwaldung, der Bodenverarmung oder des Massensterbens zu verlangsamen.
         
      • Selbst wenn wir ein hundertprozentig sauberes Energiesystem hätten, was würden wir denn damit machen? Genau das Gleiche wie mit den fossilen Brennstoffen: mehr Wälder abholzen, mehr Fische in Schleppnetzen fangen, mehr Berge absprengen, mehr Straßen bauen, industrielle Landwirtschaft ausweiten und mehr Abfall in die Deponien schicken – was alles ökologische Folgewirkungen hat, die unser Planet nicht länger ertragen kann.
         
  • Rebound-Effekt: die Effizienzsteigerung einer Ressource führt nicht zur Absenkung ihres Verbrauchs. Vielmehr steigt dieser aufgrund zunehmenden Einsatzes insgesamt an, je sparsamer sie verwendet werden kann.
     
  • Also: Green growth, Energiewende funktionieren nicht à Einschränkungen, reduktive Lebensweise unumgänglich (Suffizienz)
     
  • Auch naturgesetzlich/physikalischer Grund für die Unmöglichkeit der Entkopplung:

    • 2. Hauptsatz der Thermodynamik (Zunahme der Entropie bei jeglicher Energieumwandlung)
       
    • Aus ihm folgt: Was plünderungsfrei ist, kann nicht wachsen und was systematisch wächst, kann nicht plünderungsfrei sein.

      • Kommentar: Unser Wohlstand beruht auf ökologischer (auch sozialer) Plünderung: des Planeten und seiner Ressourcen; (auch der billigen Arbeitskräfte in der Welt)
         
  • Lt. UBA und unter Annahme globaler Gerechtigkeit und 2° darf individueller Fußabdruck nur 1-2 to CO2/Jahr betragen im Gegensatz zu 11.7 to in diesem Land und anderswo in den wohlhabenden Ländern.

    • à  es bleibt nur drastisch verkleinertes Industriesystem, aber erweitert um eine Regional- und Subsistenzökonomie. Zu realisieren durch (s. Grafik 1): 

      •  Gemeinschaftsnutzung: Doppelte Nutzung à Halbierter Bedarf
         
      • Nutzungsdauerverlängerung: Substitution von Neugütern. Auch hier: Verdopplung Nutzungsdauer à Halbierter Bedarf für Neugüter
         
      • Eigenproduktion: 
        Z.B. SoLaWi, urbane Landwirtschaft, lokales Handwerk, "Marke Eigenbau". 
        All das ersetzt industrielle Produktion .
              
      •  Regionalökonomie: Industrielle Produktion für den Rest

 

  • Also Logik der Begründung für die Notwendigkeit reduktiver Lebensweise:

    1. Die ökologischen Systeme dieses Planeten sind massiv bedroht.
       
    2. Das Wachstumsmodell bestehender Gesellschaften zieht steigenden Energiebedarf nach sich.
       
    3.  Bei Annahme globaler Gerechtigkeit steht jedem Menschen nur noch ca. 1t CO2 Fußabdruck zu.
       
    4.  Wir werden die Energiefrage, d.h. wie sollen die gegebenen ökonomischen Prozesse mit ausreichend Energie versorgt werden, auf ökologische Weise nicht lösen können
       

      à Daraus folgt zwingend, dass, wollen wir nicht im Chaos enden, wir zu einem reduktiven Lebensstil  und -modell übergehen müssen .

               Das aber wird die Mehrheit zunächst nicht mitmachen. Reduktive Lebensweise zu oktroyieren wäre                   undemokratisch und scheidet aus.

              
              Daher bedarf es einer ausreichenden Zahl von Solidargemeinschaften, die solchen Lebensstil lernen               und einüben, allerdings nicht in Nischen, sondern die spätestens im Krisen (=Kollaps)-Fall von der                    Gesellschaft wahrgenommen werden als bereits vorgelebte und funktionierende Daseinsmodelle.
               Eben quasi als rettender Ausweg.

 

  • Rückbau zu reduktiver Lebensweise, inbes. des Industriesystems führt auf 20 Std Arbeitszeit, dann immer noch genug für sparsame Lebensausstattung und sparsamen Konsum. Restl 20 Std verwendbar für handwerkliche Ergänzungsleistungen und kooperative Formen der Selbstversorgung.

    1. Einkommensverringerung wird durch Subsistenzleistungen kompensiert:

      • Nutzungsdauerverlängerung
         
      • eigene Produktion
         
      • Gemeinschaftsnutzung
         
    2. à Alles in allem: Ersatz von monetärem Kapital durch soziales Kapital!
       
    3. à Wer nur noch 20 Stunden für Geld arbeitet und die freigewordene Stunden für nicht entfremdetes Schaffen in kooperativen Versorgungsnetzen verausgabt, hat im Übrigen etwas Besseres zu tun, als in einen Krieg zu ziehen: Friedensimpuls  ☮️ 
       
    4. Die maßvolle Reduktion des Einkommens wird kompensiert, indem vieles von dem, was andernfalls industriell erzeugt und finanziert werden müsste, mit anderen gemeinschaftlich genutzt, erhalten, repariert, getauscht, ausgeliehen, angebaut oder produziert wird 
      à dann wird Maschinenarbeit wieder in unmittelbare Zusammenarbeit zwischen Menschen zurückverwandelt.  à Abbau der Entfremdung

 

 

  • Charakterisierung der notwendigen Solidargemeinschaften:

    Widerstandsnester gegen das Wachstum, dezentrale und autonome Gegenkulturen, die reduktive Praktiken ausformen, Netzwerke, Reallabore, Lernorte, gelebte Blueprints für das, was sich übertragen lässt auf den Rest der Menschheit.  Die Kondensationskerne für die kleinen Wassertropfen bilden, aus denen der große Regen eines Neuanfangs kommen kann. Sie praktizieren Übungsprogramme für postwachstumstaugliche Lebens- und Versorgungsstile und entfalten eine soziale Dynamik durch ein dezentrales Netz krisenstabiler Reallabore. Sie erzeugen eine Dynamik autonomer Aufbrüche, die sich zunächst in Nischen und Reallaboren bewähren. Sie erfinden die soziale und technologische Grundlage für eine postkapitalistische Lebensweise. Ihre Rolle ist, Veränderung herbeizuführen durch vorgelebte Beispiele und letzten Endes eben nicht durch Regeln, Gesetze oder Zwang. 

 

  • Die Konsequenz aus dem geschilderten Argumentationsstrang ist die Postwachstumsökonomie. 
    (s. Grafik 2)
     

Grafik 1

Grafik 2 

zeigt die Konsequenzen der Erkenntnis auf, wenn Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch nicht  möglich ist.
 

  • Kommentar zu Punkt 2 der Grafik:
    Wenn wir wissen, dass als Lösung nur Reduktion in Frage kommt, kommen wir nicht umhin, über Lebensstile zu sprechen. Wenn man eine Reduktionsstrategie verfolgt, dann kommt das irgendwann im Leben der Menschen an. Wenn wir Individuen nicht befähigen, mit weniger Wohlstand auszukommen, dann läuft jeder Versuch eines Klimaschutzes oder sonstiger nachhaltiger Entwicklung ins Leere.  

     
  • Kommentar zu Punkt 4 der Grafik:
    Maßnahmen müssen da sein, die sagen, was können wir tun im Worst Case. Krisen werden kommen! Jede nachhaltige Strategie muss eine Doppelstrategie enthalten. (Best + Worst Case).

    • à Gesellschaft muss Selbsttransformation durchlaufen, um der Politik die Angst zu nehmen, sich an Regelungen der sozio-ökologischen Transformation heranzuwagen, um die Wiederherstellung der ökologischen Überlebensfähigkeit zu ermöglichen.

Grafik 2

Rechtliches

Impressum

 

Datenschutzertklärung

 

Kontakt

 

 

© 2026 
Arche Noah for Future
Anders leben lernen, damit alle leben können

 

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.