Hintergrunddokument

entstanden auf dem Kollapscamp 2025

Kollapscamp 2025

Auf den Camp in Nord-Brandenburg versammelten sich zwischen 800 und 1000 Menschen und befassten sich in über 100 Workhops mit
 

  • Kollapsbewusstsein
     
  • Kollapsakzeptanz

Kollapsakzeptanz ist kein Zustand, sondern das sich entwickelnde Wissen darum, dass es 
        1. schlimm wird, und dass es 
        2. in unserer Hand liegt, WIE schlimm es wird.
            Deshalb fragen wir 
        3. Was wir dazu brauchen, d.h. jetzt vorbereiten müssen.

Auf dem Camp enstand die Idee zur Gründung von
Arche Noah for Future

Anders leben lernen, damit alle leben können

Die Menschheit verhält sich wie ein Selbstmörder, und es hat keinen Sinn mehr, 
mit einem Selbstmörder zu argumentieren, wenn er bereits aus dem Fenster gesprungen ist.

Dennis Meadows, Hauptautor von „The Limits of Growth“ (1972)

1. Einleitung

Das Zitat von Dennis Meadows beschreibt genau, weswegen wir uns auf diesem Camp versammeln.  Für uns ist klar: die Gesellschaft versagt, die Politik versagt, der Kapitalismus versagt. So bleibt die Frage: Ist noch was zu retten?
 

Konzeptioneller Hintergrund für die Gründung dieser Initiative
 

Es gibt heute schon Minderheiten, Randphänomene, die das vorwegnehmen, was später sowieso alle tun müssen, nämlich ein Leben zu führen, das zukunftsbeständig und durchhaltbar ist. Umso einfacher wird es denjenigen fallen, die jetzt nicht zu überzeugen sind, dann mitzumachen, wenn die Krisen da sind, schon alleine, weil wir die Energiefrage nicht werden lösen können, um den gegenwärtigen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Es ist Zeitverschwendung, sich an eine Mehrheit zu wenden, die sich nicht überzeugen lassen will.
 

Wir brauchen Widerstandsnester gegen das Wachstum, dezentrale und autonome Gegenkulturen, die reduktive Praktiken ausformen, Netzwerke, Reallabore, Lernorte, gelebte Blueprints für das, was sich übertragen lässt auf den Rest der Menschheit.  Die Kondensationskerne für die kleinen Wassertropfen bilden, aus denen der große Regen eines Neuanfangs kommen kann. Den wir nämlich dann brauchen, wenn im Kollapsgeschehen Panik entsteht und die Sicht auf Auswege verdunkelt ist..
 

Erst wenn glaubwürdig praktizierte Daseinsformen, die reduktiver Art sind, einen hinreichend hohen Verbreitungsgrad erreicht haben und damit politischen Entscheidungsträger*innen signalisieren, dass diese zumindest von Teilen der Gesellschaft akzeptiert und beherrscht werden, rückt eine gesellschaftsweit eingeleitete Postwachstumsstrategie in den Bereich des Denkbaren. Postwachstumskompatible Bestrebungen könnten niemals über den Umweg einer politischen Mehrheit zum nötigen Wandel beitragen. Daran knüpft das Prinzip der „sozialen Diffusion“ an. Es gründet auf der Einsicht, dass die Bereitschaft, ein neues Handlungsmuster zu übernehmen, davon abhängt, wie viele andere Individuen beobachtet werden können, die diese Praxis bereits ausführen. Es braucht die prophetische Kraft exemplarischer Erfahrungsräume.
 

Als diffusionsfördernd erweisen sich räumliche und soziale Kontexte, die als  Experimentierfelder für postwachstumstaugliche Daseinsformen und zur Erprobung und Umsetzung nachhaltiger Lebenspraktiken  fungieren, z.B. Ökodörfer, alternative Versorgungsgemeinschaften (weitere Beispiele im Dokument Vorgehensmodell). Welchen Sinn soll es nach allen Erfahrungen machen,  Forderungen an politische Entscheidungsträger*innen zu richten oder die dem System auf Gedeih und Verderb verhaftete Mehrheit zu gewinnen, also das „große Rad drehen“ zu wollen, statt auf eine transformationsaffine Minderheit zu fokussieren, damit diese das Erfahrungswissen für einen Plan B hervorbringen kann? Wir sind stattdessen der Überzeugung, aus dezentralen Übungsräumen heraus das vorhandene Durchdringungspotenzial zukunftsbeständiger Daseinsformen zu entwickeln, bevor absehbare Zusammenbrüche derartige Praktiken erzwingen. Real existente Gegenkulturen bilden ein lebendiges Archiv, auf das notfalls auch jene zurückgreifen können, die jetzt noch von einer Zukunft als Optimierung des aktuellen Wohlstands träumen. Sie sind eine einfache Möglichkeit, die Zukunft, die wir zu gestalten hoffen, genau hier, genau jetzt auf kleine, greifbare Weise zu üben und zu modellieren. Kollapsbewusstsein heißt, eine solidarische Kultur zu leben und zu verbreiten.
 

Wir haben die Hoffnung, dass sich so noch der Aufprall des Kollaps dämpfen lässt. Prägnant gesagt, wir sehen lediglich noch die Alternative change by decentralized design or desaster.

2. Strategievorschlag

Es soll ein umfassendes Netzwerk entstehen, das sich unter dem Leitmotiv  
 

Anders leben lernen, damit alle leben können
 

formiert und zum Ziel hat, landesweit Gemeinschaften zu etablieren, die sich als Erprobungsräume für transformative Praxis, als Reallabore und Lernorte verstehen und neue Wege der Mitgestaltung einer sozial-ökologischen Transformation erproben.  Dazu brauchen wir ein großes Netzwerk, das durch eine große Organisation getragen und gemonitored wird. Es ist wichtig, eine moderierende Supervision zu installieren, die eine Klammer unter den verschiedenen Gruppen, die sich in der transformativen Praxis üben,  bildet und immer wieder für deren informativen und inspirierenden Abgleich sich bemüht.
 

Im Lande gibt es kein größeres Netzwerk als die Kirchen und ihre Gemeinden. Die Kirchen gehören zu den wenigen gesellschaftlichen Akteuren, die vor Ort auf lokaler Ebene präsent und aktiv sind und gleichzeitig auf regionaler, nationaler und selbst internationaler Ebene mit starken Stimmen sprechen können. Dabei sind sie stark vernetzt und wirken durch ihre Institutionen in viele Bereiche der Gesellschaft hinein. Gerade im Bildungsbereich, im Gesundheitswesen und in der sozialen Fürsorge sind die Kirchen oft sehr nah an den Menschen. Mit ihrer sehr vielfältigen Mitgliedschaft sind die Kirchen zudem in der Lage, Menschen mit sehr unterschiedlichen Ansichten und Lebenswirklichkeiten anzusprechen.
 

Kernelement der Strategie ist, in einer landesweiten Kampagne die Kirchen an ihre Schöpfungsverantwortung, die aus ihren christlichen Glaubensgrundsätzen resultiert, zu erinnern und sie aufzufordern, eine Kampagne ins Leben zu rufen, die sich an ihre Gemeinden richtet und sich dafür einzusetzen, zu retten, was zu retten ist, dass sie nämlich dem sich vollziehenden Kollaps gewaltfrei und ohne Fixierung auf staatliche und ökonomische Machtstrukturen andere Lebenspraxen und Wertemodelle entgegensetzen. Es geht darum, dass sich durch alternative, aber kooperierende Modelle allmählich Mehrheiten bilden, die zu verstehen gelernt haben, wie kultureller Wandel und sozial-ökologische Transformation auszubuchstabieren sind und dadurch der zerstörerischen Wachstumsideologie Alternativen aufzeigen. Es geht um die Initiierung eines Prozesses, der in Analogie steht zu den frühchristlichen Gemeinden, die letztlich ein Imperium zu Fall brachten und aus deren Wirken eine Weltreligion entstand.
 

Ziel ist die Herausbildung von konstruktiven Wandelgruppen, die in einer Zeit, in der unser aller Überlebensfähigkeit bedroht ist, zur Brutstätte solidarischer und nachhaltiger Ökonomien und Lebensformen werden können, an denen sich ein gesamtgesellschaftlicher Wandel orientieren kann. d.h. die Herausbildung von Lernorten, Netzwerken und Projekten, um moderne Praktiken der Selbstversorgung einzuüben und zur Normalität werden zu lassen. Von Hoffnungsräumen, in denen die Menschen Selbstwirksamkeit und Lebenssinn erfahren.
 

Um dieses Ziel zu erreichen, wollen wir in einer Kampagne Druck auf die Kirchen ausüben, indem unser Forderungskatalog an einem einzigen Tag an alle ca. 40 Kirchenleitungen in Deutschland überreicht und öffentlichkeitswirksam publiziert wird; die Kampagne soll begleitet werden von einer Unterschriftenkampage  mit namhaften Persönlichkeiten. Wesentliches Element des Katalogs ist, dass die Kirchen, aber auch Institutionen wie z.B. Wohlfahrtsverbände, Diakonien etc. ihre Infrastruktur wie Räume, Gebäude, Ländereien, zur Verfügung stellen und damit dazu beitragen und sich darin engagieren, Wandelgruppen ins Leben zu rufen, indem sie Aufrufe an die Gemeinden oder auch die Zivilgesellschaft machen, mit der sie ja großenteils vernetzt sind.  Wir werden fordern, dass sie z.B. in einem Wettbewerb mindestens 100 Modellgemeinden bzw. Gruppen gewinnen, die sich als Avantgarde einer anderen Gesellschaft verstehen und bereit sind, sich zu Lern- und Übungsorten alternativer Versorgungsstrukturen herauszubilden. Die Einzelheiten der Kampagne sind detailliert ausgearbeitet.
 

Im Forderungskatalog wird näher spezifiziert, welche Modell-Gemeinschaften für die Gemeinden vorgeschlagen werden. Ein strukturelles Modell sind Genossenschaften, in denen es intern solidarisch zugeht und die von daher dem Selbstverständnis christlicher Gemeinden verwandt sind, deren Urbild, die Jerusalemer Urgemeinde, durch und durch solidarisch war. Alle haben das Problem, externe Einkünfte auf dem kapitalistischen Markt erwirtschaften zu müssen. Je mehr dies durch eigene Leistungen in einem Netzwerk gemeindlicher Akteure ersetzt werden kann, um so besser ist es. Gemeinschaftsgärten auf kirchlichem Gelände, Repaircafés in gemeindlichen Räumen, Photovoltaik auf kirchlichen Dächern, Kooperation städtischer Gemeinden mit dörflichen Biolandwirten zur vorbestellten Abnahme ökologisch nachhaltig hergestellter Produkte, Schularbeitenhilfe und manches andere mehr (weitere Beispiele sind im Dokument Vorgehensmodell zu finden), wo nicht alles mit Geld bezahlt werden muss – das alles sind Ansätze und Möglichkeiten solidarischer Ökonomie, wo sich Wandelgruppen, so auch christliche Gemeinden bündnisoffen betätigen und ihre Phantasie entfalten können. Dabei ist zu beachten, dass die Kirchen und ihre Gemeinden über den Eigenbedarf hinaus über erhebliches Sachkapital in Form von Häusern und Liegenschaften verfügen, die in Zeiten des drastischen Mitgliederschwunds ohnehin keine Verwendung mehr finden.
 

Der Forderungskatalog beschreibt im Detail, wie die Gemeinden durch Curricula und Instruktoren in die Lage versetzt werden, sich einen Überblick über die Vielfalt an Beispielen alternativer Versorgungsmodelle zu verschaffen und sich mit ihren Details zu befassen, um sich schlussendlich auf eines dieser Modelle zu fokussieren und es zu entwickeln.


Wir werden die Kirchen auffordern, Vorbereitungen zu treffen, sich für den wahrscheinlichen Notfall unabhängiger zu machen von dem nicht zukunftsfähigen kapitalistischen Markt durch eine eigene interne solidarische und nachhaltige Ökonomie; dass sie Strukturen einer solidarischen Binnen-Ökonomie schaffen und so zur Brutstätte einer solidarischen Gesellschaft werden.

3. Namensgebung für die neu entstehende Bewegung

Wir verstehen also die Gemeinschaften und Lernorte, für deren Entstehung und Verbreitung wir kämpfen wollen, als Brutstätten und Werkstätten der Befreiung, die noch im Rahmen des Kapitalismus die Öffnung von systeminternen Transformationsprozessen zu systemüberschreitenden Transformationsprozessen bewirken und vorantreiben können. Wir verstehen sie als gelebte Blueprints für das, was sich übertragen lässt auf den Rest der Menschheit, die im Kollapsgeschehen händeringend nach Rettung und Alternativen sucht. Nun gibt es die faszinierende Geschichte aus dem Alten Testament, die Geschichte von Noah. Noah ist ein Schiffsbauer, ein Retter für Tiere, ein Organisator im Chaos und vieles mehr. Tatkraft und Gottesbindung – das wird von ihm erzählt. Noah ist der einzige Mensch, der begreift, dass die Erde als Ganze bedroht ist. Er baut dieses Rettungsboot und nimmt stellvertretend von allen Tier- und Pflanzenarten etwas mit hinein in seine Arche. Er hat begriffen, er kann selbst nicht überleben, ohne die Tiere, ohne die andere Schöpfung und holt alle mit in sein Boot. Und tatsächlich überleben sie dann miteinander. 
 

Dass jede/r diese Geschichte kennt, spricht ja dafür, dass sie so eine starke  Aussagekraft hat. Sie liegt darin begründet, dass sie zur heutigen Situation eine beeindruckende Analogie bildet. Zu einer Situation, in der diese Welt vom Kollaps der Erdsysteme bedroht ist und eine Flut des biblischen Ausmaßes in den Bereich des Möglichen rückt. Die Flut in der Geschichte können wir deuten als die Gewalt unter den Menschen und die Zerstörung durch die Menschen. Und sie bedroht nicht nur andere Menschen,  sondern bedroht die ganze Schöpfung, alles was lebt. Die Arche Noah ist das Gefährt, das jenen, die in sie einsteigen, den Weg aus dem Kollapsgeschehen ermöglicht. Wir wollen in Anlehnung an dieses Bild der neu zu bildenden Bewegung den Namen geben:
 

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Arche Noah for Future
Anders leben lernen, damit alle leben können

 

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