FORDERUNGSKATALOG
Präambel: Die Stunde der Kirchen
"Macht euch eine Arche aus Zypressenholz... Denn ich will eine Flut kommen lassen über die Erde." (Genesis 6,14-17)
Die Erde steht vor einem Kollaps biblischen Ausmaßes. Die Erdsysteme geraten aus dem Gleichgewicht, Kipppunkte werden überschritten, unsere Zivilisation ist bedroht. Wissenschaftler sprechen von der größten Krise der Menschheitsgeschichte.
Die Kirchen predigen das Reich Gottes - doch leben sie es?
Die Urgemeinde teilte alles (Apostelgeschichte 2,44-45). Die Propheten riefen zur radikalen Umkehr. Jesus lebte besitzlos und gemeinschaftlich. Noah verstand Gottes Auftrag, befolgte ihn und baute die Arche - bis die Flut kam. Er musste handeln, sein ganzes Leben umstellen - und verhalf der Schöpfung zu einem Neuanfang.
Heute bedeutet christliche Nachfolge: Die Arche bauen, nicht die drohende Sintflut verdrängen
Politik und Wirtschaft versagen. Die Mehrheitsgesellschaft verdrängt. Aber die Kirchen haben:
- 40 Millionen Mitglieder
- 25.000 Gemeinden
- Flächendeckende Infrastruktur
- Ein biblisches Fundament für radikale Transformation
- Die prophetische Pflicht, "Wächter" zu sein (Hesekiel 33,7)
Die Kirchen müssen JETZT ihrer Schöpfungsverantwortung gerecht werden - nicht nur mit Nachhaltigkeitsstrategien, sondern mit prophetischem Handeln.
Wir fordern Sie auf: Werden Sie zur Arche! Machen Sie Ihre Gemeinden zu Rettungsbooten, zu Lernorten einer anderen Welt, zu lebendigen Modellen für das Leben nach dem Kollaps.
"Wer die Stimme des Wächters hört und sich nicht warnen lässt... dessen Blut komme über sein Haupt. Wer sich aber warnen lässt, der rettet sein Leben." (Hesekiel 33,4-5)
FORDERUNGSKATALOG
An die Evangelischen Landeskirchen und Katholischen Bistümer Deutschlands
FORDERUNG 1: Selbstverpflichtung zur Arche-Transformation
Wir fordern:
Jede Landeskirche und jedes Bistum verabschiedet einen verbindlichen "Arche-Beschluss" mit folgendem Inhalt:
1.1 Bekenntnis zur Krisenlage
Öffentliches Anerkennen der existenziellen Bedrohung durch Klimakrise, Biodiversitätsverlust und Systemkollaps als größte Herausforderung seit Bestehen der Kirche.
1.2 Theologische Selbstverpflichtung
Bekenntnis zur Schöpfungsverantwortung (Genesis 2,15: "Bebauen und Bewahren") und zur prophetischen Aufgabe der Kirche, der Gesellschaft alternative Lebensmodelle vorzuleben.
1.3 Konkrete Zielsetzung
Selbstverpflichtung, die eigene Kirche/das eigene Bistum bis 2030 zu einem Netzwerk transformativer Gemeinden umzubauen, die als "Archen" fungieren - als Lern- und Übungsorte für postwachstumstaugliche, solidarische Lebensformen.
1.4 Messbare Ziele
- Mindestens 10% aller Gemeinden werden zu "Arche-Modellgemeinden"
- Mindestens 100 Modellgemeinden bundesweit
Begründung:
Ohne klares Bekenntnis und verbindliche Zielsetzung verpuffen alle Bemühungen. Die Kirchen haben mit Nachhaltigkeitserklärungen jahrzehntelang Symbolpolitik betrieben. Jetzt ist die Zeit für konkrete, messbare Selbstverpflichtung.
FORDERUNG 2: Ressourcen für die Arche bereitstellen
Wir fordern:
Die Kirchen stellen substantielle Ressourcen für den Aufbau von Arche-Gemeinden zur Verfügung:
2.1 Infrastruktur (Gebäude & Ländereien)
- Mindestens 20% der kirchlichen Gebäude und Ländereien werden für Arche-Projekte freigegeben
- Konkret: Gemeinschaftsgärten auf kirchlichem Land, Repair-Cafés in Gemeindehäusern, Werkstätten in leerstehenden Pfarrhäusern, Wohnprojekte in ungenutzten Gebäuden
- Vorrang für Gemeinden, die Arche-Projekte umsetzen wollen
2.2 Finanzielle Mittel
- Mindestens 5% der kirchlichen Haushalte werden umgewidmet für Arche-Transformation
- Einrichtung eines "Arche-Fonds" in jeder Landeskirche/jedem Bistum zur Förderung von Modellgemeinden
- Priorisierung bei Fördermittelvergabe für Gemeinden mit Arche-Projekten
2.3 Personelle Ressourcen
- Einrichtung von mindestens einer Vollzeitstelle pro Landeskirche/Bistum als "Arche-Koordinator*in"
- Freigabe von hauptamtlichen Stunden für Arche-Arbeit in Gemeinden
- Verpflichtung aller kirchlichen Mitarbeitenden zu mindestens 10 Fortbildungsstunden pro Jahr zu Themen wie Postwachstum, Solidarökonomie, Permakultur, Gemeinschaftsbildung
Begründung:
Die Kirchen verfügen über enormes Sach- und Finanzkapital. In Zeiten drastischen Mitgliederschwunds stehen ohnehin viele Gebäude leer. Statt sie zu verkaufen oder verfallen zu lassen, können sie zu Keimzellen einer neuen Gesellschaft werden. Transformation braucht Ressourcen - die sind vorhanden, sie müssen nur umgewidmet werden.
FORDERUNG 3: Modellgemeinden gewinnen und unterstützen
Wir fordern:
Die Kirchen rufen einen bundesweiten "Arche-Wettbewerb" aus und gewinnen mindestens 100 Modellgemeinden, die sich als Avantgarde einer krisenfesten und zukunftsfähigen Gesellschaft verstehen.
3.1 Arche-Wettbewerb
- Öffentlicher Aufruf an alle Gemeinden: "Werdet zur Arche!"
- Bewerbungsverfahren mit konkreten Projekt-Ideen
- Auswahl von mindestens 100 Gemeinden (verteilt über alle Landeskirchen/Bistümer)
- Öffentliche Auszeichnung und Unterstützung der Gewinner-Gemeinden
3.2 Kriterien für Arche-Gemeinden
Eine Arche-Gemeinde verpflichtet sich zu mindestens einem konkreten transformativen Projekt aus folgenden Bereichen:
Ernährung & Versorgung:
- Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi)
- Gemeinschaftsgärten
- Lebensmittel-Kooperativen
- Foodsharing-Stationen
Konsum & Kreislaufwirtschaft:
- Repair-Cafés
- Umsonstläden
- Tauschbörsen
- "Bibliothek der Dinge"
- Kleidertausch
Wohnen & Gemeinschaft:
- Mehrgenerationenprojekte
- Gemeinschaftliches Wohnen
- Wohnprojekte auf kirchlichem Grund
Energie & Mobilität:
- Energiegenossenschaften
- Car-Sharing
- Lastenrad-Verleih
- Photovoltaik auf kirchlichen Dächern (mit Bürgerbeteiligung)
Umwelt und Biodiversität:
- Förderung der Biodiversität auf kircheneigenen Flächen
- Blumenwiesen anstelle von Rasen anlegen
- Extensivierung von Pachtland (z.B. Streuobstwiesen, Schaffung von Korridoren für Wildtiere)
- Bereitstellung von Kirchenland für Wasserrückhaltung (Grundwassersicherung und Starkregenvorsorge)
Bildung & Kultur:
- Lernorte für Suffizienz
- Permakultur-Kurse
- Workshops zu Selbstversorgung
- Postwachstums-Akademien
Solidarökonomie:
- Regionale Verrechnungskreise
- Geldlose Tauschwirtschaft
- Genossenschaftliche Strukturen
- Gemeinschaftsgetragene Unternehmungen und Versorgungsstrukturen (CSX)
3.3 Unterstützung der Modellgemeinden
- Startkapital von mindestens 10.000 Euro pro Modellgemeinde
- Zugang zu Coaching und Beratung (siehe Forderung 4)
- Vernetzung untereinander
- Öffentliche Würdigung und Kommunikation, Aufbau eines Portals für Arche-Gemeinden
- Wissenschaftliche Begleitung und Evaluation
Begründung:
Viele Gemeinden engagieren sich bereits in einem der in Abschnitt 3.2 genannten Initiativfelder. Diese Gemeinden sind also bereits auf dem Weg zur Arche. Ein übergeordnetes Konzept wird ihnen zusätzlichen Schub verleihen und die Werbung für ihre bereits laufenden und auch neue Angebote, die sie den Menschen in ihrem Umfeld unterbreiten, sehr erleichtern.
Transformation braucht Vorbilder. 100 erfolgreiche Modellgemeinden würden zeigen: Es geht! Sie würden zu Multiplikatoren, zu Hoffnungsorten, zu Blaupausen für andere. Der Wettbewerb mobilisiert den Pioniergeist und schafft positive Konkurrenz.
FORDERUNG 4: Coaching-Struktur etablieren
Wir fordern:
Die Kirchen etablieren ein bundesweites "Arche-Coaching-Netzwerk" zur Unterstützung der transformationswilligen Gemeinden
4.1 Coaching-Teams
- Aufbau von mindestens 20 regionalen Coaching-Teams (bundesweit)
- Jedes Team besteht aus 3-5 Personen mit Expertise in:
- Gemeinschaftsbildung & Prozessbegleitung
- Solidarökonomie & Postwachstum
- Praktische Skills (Permakultur, Handwerk, etc.)
- Konfliktmoderation
- Theologie & Spiritualität der Transformation
4.2 Rekrutierung & Ausbildung
- Gewinnung von Coaches aus:
- Kirchlichen Reihen (z.B. Umweltbeauftragte, Gemeinwesendiakonie)
- Ökodörfern, SoLaWis, Transition Towns
- Wissenschaft (Postwachstums-Forschung)
- Erfolgreichen Alternativprojekten
- Train-the-Trainer-Programm (6 Monate)
- Faire Vergütung der Coaches
4.3 Coaching-Angebot für Gemeinden
- Starter-Paket: 5 Coaching-Tage für jede Arche-Gemeinde im ersten Jahr
- Inhalte:
- Bestandsaufnahme (Was haben wir? Was können wir?)
- Visions-Entwicklung (Was wollen wir aufbauen?)
- Projektplanung (Wie setzen wir es um?)
- Konfliktprävention (Wie bleiben wir handlungsfähig?)
- Vernetzung (Wer kann uns helfen?)
- Folge-Coaching nach Bedarf
4.4 Curricula & Materialien
- Entwicklung von "Arche-Handbüchern" (siehe separates Dokument)
- Online-Kurse und Webinare
- Video-Tutorials zu konkreten Projekten
- Best-Practice-Datenbank
- Peer-Learning-Plattform zum Austausch zwischen Gemeinden
Begründung:
Die meisten Gemeinden wissen nicht, wie man ein Arche-Projekt startet. Sie brauchen Anleitung, Ermutigung, praktisches Know-how. Coaches sind die Brücke zwischen Vision und Realität. Ohne professionelle Unterstützung werden viele Projekte scheitern - mit Coaching steigen die Erfolgsaussichten dramatisch.
FORDERUNG 5: Transparenz und öffentliche Rechenschaft
Wir fordern:
Die Kirchen berichten regelmäßig über den Fortschritt der Arche-Transformation.
5.1 Regelmäßiger Fortschrittsbericht
- Inhalte:
- Anzahl der gestarteten Arche-Projekte
- Anzahl der beteiligten Menschen
- Erreichte Meilensteine
- Herausforderungen und Learnings
- Finanzielle Mittelverwendung
5.2 Jährlicher "Arche-Tag"
- Einmal jährlich: Großer bundesweiter "Arche-Tag" mit:
- Präsentation der Modellgemeinden
- Austausch von Erfahrungen
- Öffentliche Würdigung
- Medienöffentlichkeit
- Gottesdienste zur Schöpfungsverantwortung
5.3 Wissenschaftliche Evaluation
- Beauftragung einer unabhängigen wissenschaftlichen Begleitung
- Jährliche Evaluation:
- Was funktioniert?
- Was funktioniert nicht?
- Welche Faktoren begünstigen Erfolg?
- Wie kann die Transformation beschleunigt werden?
- Veröffentlichung der Ergebnisse
5.4 Dialogbereitschaft
- Regelmäßiger Dialog mit zivilgesellschaftlichen Akteuren (Klimabewegung, Ökodörfer, Wissenschaft)
- Offenheit für Kritik und Korrektur
- Jährliches Gespräch zwischen Kirchenleitungen und "Arche Noah for Future"
Begründung:
Nur was gemessen wird, wird gemacht. Transparenz schafft Verbindlichkeit. Öffentliche Rechenschaft verhindert, dass die Arche-Transformation zu einer weiteren Schublade voller guter Absichten wird.
FORDERUNG 6: Solidarische Binnen-Ökonomie aufbauen
Wir fordern:
Die Kirchen beginnen mit dem Aufbau einer solidarischen Binnen-Ökonomie zwischen ihren Gemeinden und Einrichtungen.
6.1 Vision
Die Kirchen sind Schrittmacher beim Aufbau eines Wirtschaftskreislaufs, der Gemeinwohl zum Ziel hat und der:
- Unabhängiger wird vom kapitalistischen Markt
- Solidarische statt profitorientierte Prinzipien lebt
- Resilienz für Krisenzeiten aufbaut
- Modellcharakter für die Gesamtgesellschaft hat
6.2 Konkrete Schritte
- Vernetzung von Produzenten und Konsumenten:
- Städtische Gemeinden beziehen Lebensmittel von kirchlichen Biohöfen oder kooperierenden SoLaWis
- Handwerkliche Leistungen werden bevorzugt innerhalb des Netzwerks vergeben
- Sharing-Plattformen für kirchliche Ressourcen (Fahrzeuge, Werkzeuge, Räume)
- Alternative Verrechnungssysteme:
- Pilotprojekte mit regionalen Komplementärwährungen
- Time-Banking zwischen Gemeinden
- Tausch statt Kauf wo immer möglich
- Genossenschaftliche Strukturen:
- Gründung von Energie-, Wohn-, Lebensmittelgenossenschaften
- Kirchenmitglieder als Genossen, nicht Kunden
- Überschüsse fließen zurück ins Netzwerk
6.3 Ziel
Bis 2030 mindestens 20% der kirchlichen Bedarfe aus solidarökonomischen Strukturen decken (statt vom kapitalistischen Markt zu kaufen).
Begründung:
Eine Arche muss autark sein können. In Krisenzeiten werden globale Lieferketten zusammenbrechen. Kirchen mit solidarischen Versorgungsstrukturen werden dann zu Ankern der Gemeinschaft. Zudem ist eine solidarische Binnen-Ökonomie das wirksamste Zeugnis gegen den Götzen des Wachstums.
Schlusswort: Der Ernst der Stunde
"Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch die Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen möget, was Gottes Wille ist." (Römer 12,2)
Die Gnade Gottes ist nicht billig. Sie kostet alles. Sie fordert radikale Umkehr. Sie ruft uns, anders zu leben.
Noah baute die Arche mühsam allein, wahrscheinlich verstand ihn niemand. Die Propheten wurden verfolgt. Jesus wurde gekreuzigt. Andere in die Nachfolge rufen.
Aber Noah baute die Arche - und rettete Leben.
Die Propheten riefen zur Umkehr - und bewahrten Israel vor Untergang.
Jesus lebte das Reich Gottes vor - und verwandelte die Welt.
Heute rufen wir die Kirchen:
Baut die Arche!
Lebt das Reich Gottes!
Rettet, was zu retten ist!
Nicht irgendwann.
JETZT UND KONKRET
Die Flut wird kommen. Seid bereit, die Arche zu bauen.
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