DIE WELT, IN DER WIR STEHEN

Wir sind in eine Welt voller Konflikte gestellt, die die Menschen verunsichern und Ängste auslösen. Die Phänomenologie der Situation ist hundertfach beschrieben.
 

Wer die Konflikte des 21. Jahrhunderts verstehen will, kommt um die Mitweltkatastrophe nicht herum. Ganz offensichtlich ist sie ein Konflikttreiber:

Direkte Verbindungen


Ressourcenkonflikte 
Dürren, Wasserknappheit und Ernteausfälle führen zu Verteilungskämpfen – besonders in bereits fragilen Regionen. Der Konflikt in Darfur (Sudan) gilt als einer der ersten, der teilweise auf Desertifikation zurückgeführt wird. Auch der syrische Bürgerkrieg hatte Vorläufer in einer extremen Dürreperiode (2006–2010), die Millionen Bauern in die Städte trieb.
 

Migration und Destabilisierung 
Klimabedingte Unbewohnbarkeit (Überschwemmungen, Hitze, Dürre) erzeugt Migrationsdruck. Das destabilisiert Zielregionen, schürt Nationalismus und politische Krisen – wie man es in Europa nach der Flüchtlingswelle 2015 beobachten konnte.
 

Armut als Katalysator 
Klimaschäden treffen die Ärmsten am härtesten. Extreme Armut ist historisch gesehen ein zuverlässiger Nährboden für Radikalisierung und Instabilität.

 


Indirekte Verbindungen


Sie ist ein systemischer Destabilisator, der wie ein Verstärker wirkt:

  • Wo Verstehen, Zusammenhalt und Institutionen schwach sind, wird Klimastress zur Krise. 
     
  • Wo Ungleichheit groß ist, wird Klimastress zur Revolte. 
     
  • Wo Wasser oder Land knapp werden, wird Klimastress zum Krieg

 



 

Die Mitweltkatastrophe als Mutter aller Kirsen

Die Menschheit ist in Bezug auf die Mitweltkastrophe eine globale Verdrängungsgesellschaft.
 

Die Verdrängungsthese – psychologisch betrachtet
 

Die Psychoanalyse kennt das gut: Was verdrängt wird, verschwindet nicht – es kehrt wieder, verkleidet, verschoben, aggressiv.
 

Wenn eine Gesellschaft kollektiv etwas Bedrohliches nicht integrieren kann, entstehen typische Symptome:

  • Projektion: Die Angst wird auf andere gerichtet – Migranten, Feinde, „die da oben"
     
  • Regression: Rückzug in einfache Weltbilder, Nationalismus, Stammesdenken
     
  • Aggressivität: Innere Spannung entlädt sich nach außen
     
  • Kontrollzwang: Autokraten versprechen Sicherheit in einer unkontrollierbaren Welt

 


Die Mitweltkatastrophe ist also nicht eine Krise unter vielen, 
sondern die generative Quelle, aus der andere entstehen:

 

        Mitweltkatastrophe

           → Ressourcenknappheit, Migration, Armut

                → Soziale Instabilität

                    → Politische Radikalisierung

                        → Kriege, Autokratie, Zerfall

                            → weniger Kapazität für Klimaschutz

                                → mehr Mitweltkatastrophe  (Rückkopplungsschleife)

 


 

Die Mitweltkatastrophe erzeugt Verdrängung, denn sie ist psychologisch schwer zu ertragen, weil sie:

  • diffus ist – kein klar benennbarer Feind
     
  • langfristig ist – unser Gehirn ist für unmittelbare Gefahren gebaut
     
  • schuldhaft ist – wir alle sind Teil des Problems
     
  • hoffnungslos wirkend – die Dimension überfordert das individuelle Handlungsgefühl
     
  • kollektives Handeln erfordert – das schwierigste überhaupt

 

 

 

Verdrängung ist dann keine Schwäche, sondern eine nahezu unvermeidliche psychische Reaktion auf eine Bedrohung dieser Art.

 

Die Verdrängung ist nicht nur eine Reaktion auf die Mitweltkatastrophe, sondern auch auf das tiefere Gefühl, dass das Wirtschafts- und Lebensmodell der Moderne nicht zukunftsfähig ist. 
Die Mitweltkatastrophe macht das unübersehbar.

 

 

 

Wir leiten daraus ab, dass ein Zusammenhang besteht zwischen

  • Mitweltkatastrophe     <--->    gesellschaftliche Disruption 
     
  • Mitweltkatastrophe     <--->    Unfrieden, Krieg
     


Damit ist klar, dass wir alles daran setzen müssen, ihr entgegenzutreten, 

so weit es angesichts der Bedrohung durch den Kollaps der 

Erdsysteme und zivilisatorischer Systeme noch möglich ist.

 

Unsere These lautet also:
 


Die Menschheit weiß kollektiv unbewusst, dass ihr Lebensmodell die Welt zerstört. 
Da sie das nicht ertragen kann, verdrängt sie es. 
Diese Verdrängung erzeugt Angst, Aggression und irrationales Verhalten
– und treibt genau die Konflikte an, die die Welt „aus den Fugen" bringen.

 

Die Menschheit zerstört kollektiv ihre Lebensgrundlage, weiß das unbewusst – und verdrängt es. 

Diese Verdrängung ist der eigentliche Motor der globalen Destabilisierung.

 

Nicht Trump, nicht Putin. Nicht "der Islam". Nicht Migranten. Nicht einmal der Kapitalismus allein.
 

Sondern: 


Diese Spezies ist in kollektiver psychischer Not, sie kann ihre eigene Todesangst nicht integrieren.

 

Diese Spezies hat eine gestörte Weltbeziehung (Hartmut Rosa).




 

Warum diese Diagnose so selten gestellt wird


Das ist selbst Teil des Problems:

  • Sie ist zu unbequem für die Politik
     
  • Sie ist zu komplex für Medien
     
  • Sie entzieht sich dem Links-Rechts-Schema
     
  • Sie verlangt Selbstreflexion – von allen
     
  • Und sie lässt sich nicht wegwählen


Die Diagnose ist also unsichtbar – nicht weil sie falsch ist, sondern weil das System, das sie benennen würde, dasselbe System ist, das verdrängt.

 

 

Hieraus folgt, dass viele unserer politischen Debatten Symptombekämpfung sind:

  • Migrationspolitik → Symptom
     
  • Wirtschaftskrisen → Symptom
     
  • Kriege um Ressourcen → Symptom
     
  • Erstarkender Autoritarismus → Symptom


     

Und die eigentliche Frage:

 

Wie lebt eine Zivilisation mit der Wahrheit über sich selbst?

 

– wird nie gestellt.

 

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